Sonntag, 18. März 2012

Fläche, Komposition, Stilleben - Spieleabend - 13.3.12


Spieleabend






Folgende Folien habe ich am 13.3.12 vorgestellt:
(Zum Vergrössern bitte auf die jeweilige Abbildung klicken!)

Für eilige Leser reichen die Informationen auf den Präsentationsfolien.
Ich werde es künftig so halten, dass ich meine Unterrichtsfolien zu jedem Kapitel möglichst gleich nach dem Unterricht hier veröffentliche und dann im Laufe der Woche mit weiteren Texten und Links versehe.
Wer keine Zeit und Geduld für die Erläuterungen hat, kann sich nur mit den Folien allein einen schnellen Überblick verschaffen.

Folie 1 - Intro:
Folie 2 - Informationspool:
Woraus Sie an diesem Abend schöpfen können. Werkzeuge, die wir bis dahin erarbeitet haben.

 Folie 3 - Aufgaben:
Folie 4 - Kurzdemo:
Umgang mit den verschiedenen Formen der Zeichenkohle, vom Pigment bis zum Stift.
Demo zu weiteren Werkzeugen: Radierer, Wischer, Schablonen, Tücher.






Folie 5 - Kohle. Schwarz:
Schwarz ist nicht gleich Schwarz.
Folie 6 - Vorschlag zum Vorgehen:
Folie 7 - 9  Beispiele: 


Ergebnisse des Abends:














Montag, 12. März 2012

2.Semester, Teil1: Fläche, Komposition, Stilleben 2 - Notan und Formate - 6.3.12


Notan:
Als schnelles, praktisches Hilfsmittel und Werkzeug der Komposition habe ich Ihnen eine spezielle Methode zur Herstellung sog. "Daumennagelskizzen" gezeigt. Diese Methode wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem amerikanischen Maler, Grafiker und Fotografen namens Arthur Wesley Dow (Ipswich, MA) entwickelt und gelehrt. Das seltsame Wort (jap.) NOTAN geht auf einen in der asiatiatischen Tuschzeichnung angestrebten Harmonie- und Balancebegriff des Ineinandergreifens von Hell und Dunkel  zurück, der eigentlich nichts weiter als "Schwarz und Weiss" bedeutet, aber durchaus ein tieferes Konzept von Raum, Harmonie und Grössenverhältnissen meint. Schwarz UND Weiss, nicht Schwarz ODER Weiss - was ein kleiner grosser und kulturell bedeutsamer Unterschied ist.
Hier sind demnach nicht nur Licht- und Grauwerte gemeint, sondern umfassendere philosophische Konzepte von der Balance der Gegensätze.
Für unsere Zwecke reicht vorläufig dieses grobe Vorwissen. Wir reduzieren diese Methode ohnehin auf das Allereinfachste und vor allem Praktischste.

Wie ich Ihnen bereits im ersten Semester vorstellte, begnügt man sich hier bei der konzipierenden Suche nach einem Zeichen- oder Malmotiv auf die einfachsten Elemente der Komposition, die man auf kleiner Fläche ( 3 x 4 cm maximal!) mit einem Satz von schwarzen und später auch grauen Stiften oder Filzschreibern möglichst vereinfacht und nicht an dem komplexen Umriss orientiert als Flecken so in der Zeichenfläche verteilt, dass sie einen "Gesamtklang" der Anlage vor Augen stellen.
("Nicht an dem komplexen Umriss orientiert" bedeutet, dass die genaue Gestalt des Objekts nicht nur völlig nebensächlich ist, sondern eher sogar hinderlich für die Beurteilung der Massen des Gesamtanblicks!)
Mit einäugig unscharf gestelltem Blick erfassen Sie dabei nur die sog. Massen des Gegenstands oder der beobachteten Szene und notieren so recht einfach und schnell etliche Varianten, die einen interessanten Anblick, eine gewisse attraktive Spannung oder eine harmonische Aufteilung von bezeichneten und leeren Stellen ergeben.

Sie haben auf diese Weise ein fixes Kompositionswerkzeug an der Hand, mit dem sie schnell erkennen können, ob eine Bildaufteilung "stimmt" oder nicht.
Da Sie sehr kleine Arbeiten erstellen, haben Sie so in kurzer Zeit die Möglichkeit, etliche Konstellationen auszuprobieren und die beste dann skribbelnd und skizzierend, d.h. detaillierend weiterzuentwickeln.
Veranschaulichen können Sie sich das Vorgehen so, wie ein Fotograf mit Digitalkamera schnell zig Aufnahmen der gleichen Situation aus etlichen Blickwinkeln macht, um die Gelungenste dann weiterzuentwickeln.

Man unterscheidet 2-wertige Notans oder Daumennagelskizzen = Schwarz auf Weiss
und Dreiwertige Notans in Schwarz-Weiss-Grau - bis hin zu 5-wertigen, die wir aber im Rahmen dieses Kurses nicht anwenden werden:




Diese Reihe veranschaulicht, wie man mit Hilfe schnell erstellter 3x4 cm großer 3-wertiger Daumennagelskizzen eine ganze  Reihe von Kompositionsentwürfen durchspielen kann, ohne dafür Tage zu brauchen, sondern nur Minuten! Ausgangspunkt war hier ein simples Stilleben mit Gefäßen, das am Ende in einer rhythmischen Komposition aus Flächen, Formen und Grauwerten gipfelte. Ich spiele so gerne alle Möglichkeiten aller Abstraktionsstufen hin und zurück durch. (Kohle/Tusche/Gouache/Deckweiss auf grauem Karton oder Leinwandstücken)


Format:

In der Regel nimmt sich der Zeichner, was gerade rumliegt und fort muss...

In fast allen Fällen wird es ein sog. DIN-Bogen Papiers sein und normalerweise denkt man sich auch dabei nicht allzu viel. Bis man erkennt, dass die Wahl eines Formats, dessen Grössenverhältnis von Länge zu Breite und die Entscheidung über eine bestimmte Ausrichtung - ob nun Hoch- oder Querformat - eine ziemliche Bedeutung für die Anlage einer Zeichnung hat. 

Spielen Sie es selbst durch, indem sie eine "Stehende" auf Querformat platzieren oder eine Landschaft in ein Hochformat bringen - Sie werden davon bestimmt und entscheiden sich sofort für jeweils andere Aspekte des Motivs.

Ich habe beobachtet, dass man als Anfänger in der Regel darauf kaum achtet. Dabei haben Sie mit den 4 Seiten eines Blattes schon die ersten entscheidenden Elemente der Zeichnung gesetzt.
Das zu Bewusstsein zu bringen, ist das Ziel des notorischen Rahmenzeichnens. 
Ich bitte Sie, das also noch solange beizubehalten, bis Sie sicher, bewusst und virtuos das Format eines Blattes einsetzen.

Ich habe Ihnen kurz demonstriert, welche geometrischen und mathematischen Verhältnisse herrschen 
- an einem Quadrat,
am Industrieprodukt DIN A 4 - Blatt, 
- einem antiquierten Oktavblatt ( dessen Massverhältnisse noch heute das amerikanische Druckpapier bestimmt), einem Bogen also, der dem Goldenen Schnitt folgt,
- sowie offenen bis extremen Hoch- und Querformaten.
Die Unterschiede sind in einigen Fällen nur scheinbar unbedeutend, aber dennoch spürbar, in anderen Fällen sogar gravierend.

Sie haben als Zeichner mit Bewusstsein die volle Wahl. Die Wahl des Formats ist schon der erste und ziemlich wichtige Schritt der Gestaltung und damit ein starkes Ausdrucksmittel.
In der Regel allerdings verfährt man so, dass man wie oben gesagt, nimmt, was rumliegt und fortmuss. Jetzt aber auf höherem Niveau.


Hot Spots, Focal Points - für die es im Deutschen anscheinend nur Bandwurmwörter zu geben scheint (ich bitte um Hinweise auf elegantere Bezeichnungen!):
In einem weiteren Bewusstwerdungsschritt habe ich Ihnen vorgeführt - gleichgültig, für welches Format des Papiers Sie sich jeweils auch entscheiden werden -, dass es sog. 
"Hot Spots", 
"Focal Points" oder 
markante Kompositions- und Gestaltungspunkte 
auf einem Zeichenblatt gibt, die von selbst existieren, ohne Zutun des Zeichners - Kraft- und Gravitationsfelder, Kondensationspunkte gleichsam, die aber vom Zeichner bei der Platzierung der Zeichengegenstände mehr oder weniger erkannt und bewusst eingesetzt werden sollten. 
Simpelstes Beispiel: Blattmittelpunkt. Oder: Ecken. 

Claude Lorrain beispielsweise, Landschaftsmaler und -zeichner des Barock, hat grundsätzlich immer bei der Anlage auch der komplexesten Komposition, zunächst stur ein Raster in 3 Zonen horizontal und vertikal angelegt und tatsächlich recht genau entlang der Schnittpunkte seine Hauptelemente gesetzt - auch wenn man dies dem fertigen Gemälde am Ende nicht ansieht.



Es ist z.B. mehr oder weniger beliebte Praxis der kunstgeschichtlichen Bildinterpretation, insbesondere bei Bildern mit zu vermutenden tieferen Botschaften, sorgfältig die Aufteilungs- und Platzierungsachsen eines Bildes zu analysieren, da diese Zusammenhänge, Hierarchien, Nebenthemen, besonders bedeutsame Objekte und deren Bedeutung entschlüsseln helfen. D.h. schon immer haben traditionell Künstler nie "aus dem Bauch" und "irgendwie" die Dinge eines Bildes vorgeführt, sondern immer bedeutsam organisiert. Das gilt, wenn auch mit anderer Bedeutung, genau so für abstrakte Kunstwerke, die durchaus von bewährten Ordnungsmustern Gebrauch machen.
  
Zu Beginn bitte ich Sie deshalb, sich erst einmal ebenso stur und auffällig diese markanten Punkte zu konstruieren und ihre Kompositionen daran zu orientieren. Wenn Ihnen der Sachverhalt mit der Zeit immer klarer wird, werden Sie sich von der Sturheit der Raster ohnehin von selbst lösen.
Also:  Erst Regel erkennen und anwenden - dann aber wieder Freiheit finden.
D.h. gewöhnen Sie sich allmählich daran, dass der kreative Prozess aus einem Dialog regelbestätigender und regelbrechender Prozeduren besteht, Ordnung und Zerstörung in Wechselwirkung.

Ich habe Ihnen zunächst 2 einfache Formen der Aufteilung demonstriert:

- Die Konstruktion über fortgesetzte Halbierungen (es entsteht ein symmetrischer 4er Rhythmus)

- Die Drittelregel, die ein vereinfachter Goldener Schnitt darstellt, bei dem Höhe und Breite eines Zeichenformats in 3 gleiche Teile geteilt werden und die Schnittpunkte verschobene und dadurch dynamischere Zentren bilden können. (Auch in der Fotografie gern angewandt: "Rule of the Thirds", wer dazu mehr wissen möchte, sollte diesen Begriff dem Link folgend bei wikipedia nachlesen.)

Mit diesen sehr einfachen Gedanken haben Sie ein praktisches Werkzeug, alle Arten von Kompositionen Ihrer Zeichnung, aber auch der Malerei und Fotografie zu organisieren und Ordnung und Beziehung auf der Bildfläche zu herzustellen. Darum geht es in erster Linie, wenn von Bildkomposition die Rede ist. Mit der Ordnung lenken Sie den Blick des Betrachters und erzählen Ihr Anliegen, indem Sie die Dinge in Beziehung zueinander setzen.


PRAXIS (1h 45Min): 
Ziel des Abends bzw. zu Hause zu vollenden: A4 Stilleben „Birne oder Apfel auf  Teller und Tisch“ in Kohle und Kreide auf Grau oder abstrakter formuliert: Organische Form auf geometrischer Form in helldunklem Raum. Jede Lösung zwischen klassischer und völlig abstrakter Formulierung ist OK.


Herangehensweise simuliert mit Google Sketchup 3D:














Spiel: (ca. 20 Min.)
1) Warmup auf eigene Faust (5 Min Linien, Bögen)

2) Skizzieren Sie mit einfachen Mitteln mehrere unterschiedliche Formate auf ein Blatt (Quadrat, DinBlatt, Goldener Schnitt, frei und extrem) und teilen Sie diese Flächen nach den oben genannten Regeln in statische, symmetrische und dynamische Felder, die Sie durchaus auch kombinieren können.
Es sollten sich Rhythmen von unterschiedlich grossen Flächen ergeben, je nach Teilungsregel.
(15 Min. Linien und Flächen)

Studium: (ca. 25 Min.)
Aus dem Fundus aus Grundformen,  Alltagsgegenständen, Früchten, Stoffen und Papieren stellen Sie ein möglichst einfaches Stilleben zusammen, bereiten mit dem Sucher und mehreren 2- oder 3-wertigen Daumennagelskizzen möglichst klare und interessante Kompositionen des Stillebens vor.

Werk: (1 Std.)
Die beste Skizze der oben vorbereiteten Stilleben setzen Sie in Schwarz (Kohle) und Weiss (Kreide) auf mittelgrauem Papier (min. A4) so um, dass Sie das Stilleben innerhalb  eines bewusst gewählten und aufgeteilten Formats zeichnen (von Quadrat bis extremes Hoch- oder Querformat).




Bitte zur nächsten Stunde mitbringen:
- Falls Sie bereits Kohle- und Kreidestifte haben sollten
- Schmirgelpapier um 120er Korn
- Malkleidung oder -hemd, es wird ein wenig schmutzig nächstes Mal
- 1 alte Zeitung
- Küchenkrepp
- ggf. Haushaltshandschuhe
- A4 Papier aller Art
- Schere

Sonntag, 4. März 2012

2.Semester, Teil1: Fläche, Komposition, Stilleben 1 - 28.2.12



Die Komposition einer Zeichnung.

Machen Sie sich bitte keine Illusionen: Nichts, aber auch gar nichts, was Sie je an von  Menschen hergestellten Bildern gesehen und sich gemerkt haben, ist zufällig so gestaltet, sondern ist immer in irgendeiner Weise bewusst visuell so konzipiert und mit mehr oder weniger Stimmigkeit so arrangiert worden, wie der Produzent des Bildes es gewollt hat.
Seien es nun Bilder aus der langen Geschichte der Kunst bis hin zu den mehr oder weniger kompositorisch gelungenen Fotos in heutigen Publikationen.
Entweder sind diese geprägt von den Seherwartungen und Konventionen der Zeit, in der das jeweilige Bild entstand, oder geprägt von dem Antrieb des Produzenten, eine neue und persönliche Sicht der Dinge zu zeigen.
Kein über ein Bild vermittelter Anblick - zumindest bis zur Erfindung der Fotografie -  war und ist je zufällig (höchstens ungeschickt formuliert...), und selbst mit einem Fotoapparat in der Hand ist es schwer, eine rein zufällige und nicht von Absichten gesteuerte Ansicht der Welt zu fabrizieren. Fragen Sie notfalls dazu Fotografen oder andere visuelle Gestalter...

Spätestens dann, wenn Sie auf ein zufällig entstandenes oder ganz arg schlecht fotografiertes Bild schauen, werden Sie spontan anfangen, es irgendwie zu

ORDNEN  

d.h. Sie werden versuchen, eine Botschaft, eine Anordung, ein Nacheinander, eine Hierarchie der Bedeutung hineinzusehen, notfalls sogar zu erfinden, um das Chaos der um Bedeutung ringenden Elemente des Bildes irgendwie zu bändigen. 
Also machen Sie sich klar: wir tragen unser Bedürfnis nach Bedeutung und Ordnung wie von selbst und geradezu zwanghaft in die Bilder, oder mit anderen Worten:  Das Sehen sucht Sinn und notfalls produziert es ihn.

Und das ist der Beginn des bildnerischen Komponierens.

Mit Fug und Recht können Sie nun aber einwenden, dass man beim spontanen Zeichnen sowieso immer schon mit dem Anordnen von Bildelementen beschäftigt ist. Mehr oder weniger bewusst schafft man immer irgendeine Form von Ordnung, indem man zeigt, wo oben und unten, vorne und hinten und was gross und klein ist - Richtig!

Ich habe mir nur das vielleicht verwegene Ziel gesetzt, Ihnen mit den Übungen der nächsten 3 Abende bewusst zu machen, wie dies funktioniert, was dabei geschieht und wie man es anstellen kann, nicht spontan in die Falle von altbekannten (und damit oft ungeschickten oder gar langweiligen) Sehklischees zu tappen, um evtl. sogar Ihre eigene Sicht auf die Dinge zu entwickeln und in Ihren Zeichnungen zu zeigen. 


Ich bin mir sicher, dass Sie von sich aus "aus dem Bauch" heraus immer eine Idee haben werden, wie sie irgendwie ein Arrangement von Dingen in Szene setzen können, aber genau um dieses Irgendwie geht es mir.
Ziel des ersten Teiles ist es, Ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, wie Sie zunehmend bewusstere und im Laufe der Zeit vielleicht sogar interessantere Ansichten der Dinge so zeichnerisch inszenieren können, dass Sie Ihre Sicht der Dinge zeigen.

Nebenbei: 
Als Zeichner und Maler dürfen Sie heutzutags ALLES, nur eines nicht: Langweilen!
Es sei denn, das genau ist Ihr persönliches Ziel - das wäre auch OK, aber evtl. der Müh nicht Wert...;-)


Warum Stilleben? 

Naheliegenderweise üben wir einfache Kompositionen zuerst anhand von Dingen, die den Vorzug haben, eine Weile still zu stehen und nicht zu wackeln. Das ist eine der Stärken des Genres Stilleben, neben der Tatsache, dass wir ggf. beim Betrachten der Dinge über ihr Dasein und Sosein anfangen nachzudenken. (dt. Stilleben, frz. Nature Morte. ..)

In der ersten Stunde haben wir Stilleben auf Grundkörper wie Kugel, Quader, Zylinder, Würfel, Pyramide reduziert, um das Prinzip des Komponierens (Zusammen- und Hinstellens, Nebeneinanderlegens) ohne Ablenkung durch die Bedeutung oder Oberflächenqualitäten der Dinge zu begreifen. Zudem zeigen diese auch einfacher und deutlicher die räumliche Konstruktion und Perspektive, was ja nebenbei nach wie vor unser Thema ist. 
Sehen Sie also vorerst diese Grundkörper an wie "Container", d.h. Platzhalter für die in der Realität etwa ähnlich geformten Dinge.
( Ja klar, sind diese erst einmal arg abstrakt und für manchen sogar eher hässlich und langweilig, aber enorm lehrreich - und manchem Ding in der  realen Welt auch ziemlich arg nah...)

Zu den gedanklichen Hintergründen des Genres "Stilleben", das kunstgeschichtlich betrachtet ein recht junges ist, werde ich Ihnen im Laufe der nächsten Wochen noch mehr erzählen.


Komposition mit einfachen Mitteln:

Um Ihnen vor Augen zu führen, wie das kompositorische Denken geradezu spielerisch begonnen werden kann, habe ich Ihnen folgende Vereinfachungen und Hilfsmittel demonstriert, anhand derer im Prinzip jede Form von bildnerischer Komposition geübt werden kann:



Mit dieser in Google Sketchup (kostenlose 3D-Software für Windows und Mac) produzierten Animation einfacher Grundkörper, wollte ich Sie davon überzeugen, dass selbst aus langweiligen Gegenständen durch Wahl des Ausschnitts und Blickwinkels etwas Interessantes, vielleicht sogar Dramatisches entstehen kann. Ich habe hier zunächst völlig wahllos einige Grundkörper auf einer Fläche verteilt und suche Ansichten, die spannende Konstellationen zeigen. Das Ganze erinnert an Vielerlei: Stadtansichten, Bauklotzlandschaften, simple Stilleben, Bühnenaufbau, der Blick in mein Atelier Freitagabends (natürlich nur die Container der Dinge, die ich hier lieber für mich behalte ;-),  etc.




Empfohlenes Vorgehen bei der Anlage einer Stilleben-Zeichnung:

1. Vereinfachen Sie generell beim Aufbau und Zeichnen eines Stillebens, indem Sie zunächst immer die zugrundliegenden Grundkörper und deren Lage und Grösse erfassen. Jeder Gegenstand in der realen Welt kann auf einen oder zusammengesetzte Grundkörper reduziert werden. Das gilt sowohl für Stilleben, aber auch bei Landschaften und sogar beim Zeichnen menschlicher Körper. 
Cezannes Ausspruch, dass sich alles in der Natur im Kern auf Kubus, Kugel und Zylinder reduzieren lässt, ist nach wie vor absolut richtig.
Das Fazit dieses Schrittes: Komponieren heisst vereinfachen, reduzieren.

2. Arbeit mit einem "Sucher" (der anderswo auch "Finder" genannt wird).
Aus Karton schneiden Sie 2 L-förmige Streifen, die Sie so zueinanderführen, dass ein verschiebbares, variables Bildfenster entsteht. Mit diesem Hilfsmittel schneidet man aus dem komplizierten Gesamt eines Anblicks den für Sie interessanten Ausschnitt heraus, der für Ihre Komposition wichtig ist.
Fazit: Weniger ist oft mehr. Suchen Sie das Element, das einen Anblick interessant macht. Ich nenne das ein "visuelles Drama", oder: Wo ist der Plot? Die Geschichte, die Sie erzählen wollen?

3. Sie skizzieren mehrere Varianten der Komposition, indem Sie verschiedene Blickwinkel, Arrangements, Aufteilungen in max. 3x4 cm grossen sog. "Daumennagelskizzen" (engl. thumbnails) festhalten.
Dabei zeichnen Sie nur sehr grob mit einem schwarzen Stift (Filzstift ist dafür prima geeignet), den groben Plan in Hell und Dunkel. So sehen Sie sofort, ob eine Aufteilung funktioniert oder nicht. Zum Hintergrund dieser Methode nächste Woche mehr.
Fazit: Zeichnen Sie nicht die erstbeste Lösung, die Ihnen einfällt, sondern probieren Sie aus, was der Gegenstand aus anderen Blickwinkeln hergibt.

Hier Beispiele solcher "Daumennagelskizzen" aus einem meiner Skizzenbücher:

Landschaftsskizzen



Portrait- und Blumenstilleben-Skizzen


Der Vorzug der vorgestellten Methode ist, dass man sich damit viele Stunden vergeblicher Zeichenmühen spart, da man so sehr schnell feststellen kann, ob sich eine stundenlange Arbeit überhaupt lohnt oder die Komposition von vornherein verfehlt ist.



Übungen des Abends:


SPIELEN:
1. Warmzeichnen auf eigene Faust.

2. Nachkritzeln aus Daucher S.24f - diesmal auf höherem Niveau. Es ging darum, für sich herauszufinden, wie man aus dem Bauch heraus ein Format aufteilt und ob das dann irgendwie spannend oder einfach nichts ist...


STUDIUM:
3. Einüben des oben beschriebenen Vorgehens anhand simpler Grundkörper-Stilleben.


WERK:
Ziel des Abends (als Hausarbeit evtl. auszuführen): 
A4 Zeichnung eines einfachen Grundkörper-Stillebens aus Kugel, Kubus, Zylinder etc., das mit der oben geübten Methode komponiert ist und mit der Hell-Dunkel-Schraffur (weisser Stift und Bleistift) auf mittelgrauem Papier oder Packpapier ausgeführt wird.
Weniger ist mehr!


Apropos: Die 3 Schritte "Spiel-Studium-Werk" habe ich Ihnen als 3 notwendige "Stationen" in der Aneignung und Entwicklung der eigenen Arbeit erklärt. Wir werden diese im ganzen Semester so beibehalten.
Ich halte viel davon, nicht bei Spiel oder Studium stehen zu bleiben, sondern seine Erfahrungen dann am Ende in einer fertigen Arbeit zu bündeln und vorzeigbar zu machen. So dokumentieren Sie sich auch selbst den Weg von der spielerischen Annäherung über das genauere Ergründen bis zum signierten Bild - das ohnehin dann immer nur wieder Ausgangspunkt für etwas Anderes oder Besseres ist...

Samstag, 3. März 2012

Betrifft Kommentarfunktion

Hallo liebe TeilnehmerInnen!

Ich habe heute noch einmal die Kommentarfunktion überarbeitet. Jetzt sollte es wohl klappen. Bitte probiert es nochmal aus.

Und so geht es:


Am Ende jedes Textes ist die oben gezeigte Ansicht zu sehen. "Add a comment" bedeutet "Einen Kommentar zufügen". Bitte anklicken!






Das Kommentarfeld ist hier zu sehen und genügend gross für allerlei Text...An der markierten Stelle mit Schreiben beginnen.





"Kommentar schreiben als..." meint, dass man die Wahl hat, anonym oder mit Nennung des Namens zu schreiben. Mit Namen wäre freundlich, aber wer Befürchtungen aller Art hat, kann auch gerne anonym schreiben. Ich halts aus....oder ich lösch, was sich nicht gehört ;-)





 So sieht das Feld aus, wenn man mit vollem Namen veröffentlichen will...





Ganz zum Schluss hat man die Möglichkeit, erst einmal eine Vorschau des gerade geschriebenen Textes zu lesen oder man drückt gleich auf "Veröffentlichen" und - voila! Der Kommentar steht da.
Bin gespannt.
Wer diesen Text bis hierhin gelesen hat, kann gleich anschliessend einfach mal ausprobieren, ob es klappt:

Mittwoch, 22. Februar 2012

Einheit 3 - 6.Stunde: Präsentation


Wichtig: 
Der 2. Teil des Zeichenkurses findet trotz bislang nur 6 Anmeldungen statt, wir treffen uns also wie immer Dienstags 19 Uhr am bekannten Ort. Wer sich bisher noch nicht angeldet haben sollte, aber den Kurs trotzdem fortsetzen möchte, den bitte ich, sich bei der VHS für Kurs 200861k noch anzumelden.



Zur letzten Stunde des ersten Semesters bat ich Sie, einige der in den vergangenen Monaten entstandenen Zeichnungen und Ihre Skizzenbücher mitzubringen. 


Wir haben uns eine Auswahl davon genauer angeschaut und ich versuchte Ihnen mehr oder weniger hilfreiche Kommentare und Anregungen zu Ihrer Weiterentwicklung zu geben.
Einige der gezeigten Skizzenbücher sind auf einem guten Weg. Ich möchte Sie ermuntern, jede Form der Zeichung und alle Studien, die wir noch machen werden, in das Skizzenbuch zu zeichnen, ohne dabei aber zu vergessen, auch ganz gezielt fertige und rahmbare Zeichnungen anzufertigen.


Beispiele:












Unterscheiden Sie dabei Warmzeichenübungen von Skizzen/Studien und fertigen Arbeiten, werfen Sie aber bitte nicht vorschnell vermeintlich schlecht gelungene Arbeiten weg, sondern legen Sie diese eine Weile zur Seite. Aus mancher misslungenen Arbeit kann wie von Selbst eine Idee für eine gute Arbeit wachsen, wie ein Kürbis aus dem Kompost...


Zu Beginn des nächsten Semesters werde ich Ihnen noch einmal kurz skizzieren, wie Sie allmählich Ihre Produktivität organisieren können.


Zum Abschluss folgte ein Überblick über die Themen des kommenden Semesters:



2.Semester Zeichenkurs Überblick

Der Kurs setzt über einen Zeitraum von jeweils ca. 5-6 Abenden jeweils einen thematischen und technischen Schwerpunkt, in dem auf die im ersten Semester erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten aufgebaut wird und in zunehmend selbst gestellten Aufgaben eigenständige bildnerische Lösungen erarbeitet werden.

Sie werden nebenbei die Kernthemen der klassischen Zeichung kennenlernen (sog. Genres)
Meine Rolle wird es sein, Anregungen zu geben, Ihre eigene Zielsetzung zu erkennen und begleiten sowie Ihnen die zur Lösung Ihrer Aufgaben notwendigen Informationen über zeichnerische Techniken, notwendige Kreativitätsimpulse und Überblick über die Hintergründe des jeweiligen Genres zu vermitteln.

Der Kurs setzt 3 verschiedene Schwerpunkte, die jeweils
- ein bestimmtes Genre,
- eine Technik und deren Materialien sowie
- ein bildnerisches Kernproblem in den Mittelpunkt stellen.


28.02./06.03./13.03./20.03./27.03./17.04. Schwerpunkt 1:

Bildnerisches Kernproblem: FLÄCHE
"Flächen" und deren Anordnung im Bildfeld, KOMPOSITION

Materialien/Technik:
Trockene Techniken wie Kohle, Kreide, Graphit, Blei + Filzstifte für sog. Notans

Genre:
Stilleben in schwarz-weiss



24.04./08.05./15.05./22.05./12.06./19.06./ Schwerpunkt 2:

Bildnerisches Kernproblem: LINIE

Materialien/Technik:
Nasse Techniken in Federn aller Art und Tuschen/Tinten + Wasser (sog. Lavage)

Genre:
Landschaft 


26.06./03.07./10.07./17.07./24.07. Schwerpunkt 3:

Bildnerisches Kernproblem: FLÄCHE und LINIE

Materialien/Technik:
Kombinationen aller erworbenen Techniken + (evtl. auch Kaltnadelradierung als Beispiel für eine einfache graphische Vervielfältigungstechnik)

Genre:
Portrait


Das konkrete Ziel jedes Schwerpunkts wird eine selbst konzipierte Arbeit zu dem jeweiligen Genre darstellen. D.h. Sie arbeiten innerhalb jedes Schwerpunkts mit der Absicht, am Ende mindestens eine vorzeigbare Arbeit zu produzieren, die Werkcharakter hat, also rahmbar und vorzeigbar ist.

Das bedeutet, dass Sie sich mit dem Prozess der Themenfindung, Planung beschäftigen und über das Skribbeln und Skizzieren allmählich das Konzept einer fertigen Zeichnung erstellen und diese dann ausführen.
Sie dürfen dazu durchaus auch gerne über die Kursabende hinaus zu Hause daran arbeiten ;-))

Ob Sie nun am Ende völlig frei arbeiten oder sich zunächst traditionelle Lösungen erarbeiten, ist unerheblich und Ihnen absolut überlassen. Ich lege allerdings grossen Wert darauf, sich die Entwicklung des Themas/Gegenstands durch die Geschichte hindurch anzuschauen und dabei kritisch anzueignen, was für Ihre Arbeit von Bedeutung ist.

Ich gehe für meine eigene Arbeit auch immer so daran, dass es mir bewusst wird, dass keine Abstraktion ohne ihren Grund in der Realität und kein Realismus ohne Abstraktion auskommt. Ich sehe das eine im jeweils anderen am Werk.


Parallel dazu bitte ich Sie selbstverständlich, die sog. Sudelhefte der Warmups sowie Ihr Skizzenbuch weiter zu pflegen und sich zunehmend mit den daraus entstehenden Aufgaben und Themen zu befassen. Ein Zeichner entwickelt sich in der Regel aus diesen Quellen heraus und erkennt in der täglichen Praxis die daraus erwachsenden Problemstellungen.

Jeder Kursabend hat weiterhin die Ihnen schon vertraute Struktur aus einem Kurzvortrag zum jeweiligen Thema, einer Buch- oder Materialvorstellung oder einer Bilderschau, sowie einige Vorschläge zu Warmups und Anregungen zu eigenen Themenstellungen (Übungen)